Die Kieler Südseesammlung und die kaiserliche Marine. Neue Fragen an die deutsche Kolonialgeschichte (1884-1914)

Ausstellungsplakat SüdseeAusstellungsplakat Südsee / Gestaltung: Eckstein & Hagestedt, Kiel / © Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum
Einblick in die Ausstellung 2014Bild 1 von 4Einblick in die Ausstellung 2014 / © Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum
Tatuana-Maske aus der Kieler Völkerkundesammlung, Erwerbung 1888 (Bismarck-Archipel)Tatuana-Maske aus der Kieler Völkerkundesammlung, Erwerbung 1888 (Bismarck-Archipel) /  © Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum

Am 3. November 1884 hissten die Kommandanten der »SMS Elisabeth« und der »SMS Hyäne« die deutsche Flagge auf der kleinen Insel Matupi im melanesischen Bismarck-Archipel. Auf Matupi folgten viele weitere Orte in Melanesien, Mikronesien und Polynesien, auf denen deutsche Handelsniederlassungen geschützt und der Großmachtstatus des Deutschen Reichs markiert werden sollten. Damit begann die 30jährige deutsche Kolonialzeit in der weiträumigen Südsee.

Im selben Jahr gründeten angesehen Kieler Bürger ein Völkerkundemuseum. Im Bewusstsein der neuen Rolle der Stadt als Reichskriegshafen, als bedeutender Marine- und Werftstandort, maß man sich darin mit Hamburg oder Berlin. Rasch kam eine Sammlung von teils wissenschaftlich herausragenden, oft wunderschönen Masken, Kultfiguren, Schmuck- und Kleidungsstücken oder Waffen zusammen. In den letzten Jahrzehnten war sie unter dem Dach des Zoologischen Museums zu sehen. Nun sind die Stücke in den Bestand des Stadt- und Schifffahrtsmuseums übergegangen, wo sie unter einer kolonial- und marinegeschichtlichen Fragestellung erforscht werden sollen. Überwiegend Marineangehörige, vom Heizer über den Schiffsarzt bis zum Kapitän, waren es nämlich, die etwa auf den samoanischen Inseln Andenken oder Sammlungstücke für das 1884 gegründete Museum für Völkerkunde in Kiel erwarben.

Die Ausstellung führt in die Geschichte der „»deutschen Südsee« ein und thematisiert die Rolle der Marine, die dort aktiv, aber nie stationiert war. Sie erzählt Geschichten von friedlichen und feindlichen Begegnungen an traumhaften Stränden und unter Kokospalmen und formuliert viele offene Fragen, die von den Sammlungsstücken ausgehen. Entscheidend ist dabei: Wer erwarb sie warum und unter welchen Bedingungen? Die Ausstellung, die sich als Start eines Forschungsprojekts versteht, bringt dafür erstmalig die Marine- und Südseesouvenirs aus der stadtgeschichtlichen Sammlung mit den ethnologischen Sammlungsstücken aus den deutschen »Schutzgebieten« aus der Südsee zusammen.

Ausstellungsort: Kieler Stadtmuseum, Warleberger Hof
Laufzeit: 28.9.-21.10.2014 und 5.11.2014-11.1.2015

Internetseite des Museums
Besprechung in der taz vom 10.12.2014

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