Retrokonzepte ist 10 / Juli 2019 / #5

Kapitel 5: Ausplündern und Verwalten (2014-2016)

Immer wieder wenden sich Institutionen an uns, die sich eine Ausstellung wünschen, sowas aber normalerweise nicht im Programm haben – oder in kleinerem Maßstab. Die Senatorin für Finanzen hatte gemeinsam mit der Universität Bremen ein Forschungsprojekt auf die Beine gestellt, in dem es um die »Arisierung« von mobilem jüdischem Besitz in Bremen in der Nazizeit ging. Bremen hatte damals eine – eher kleine – jüdische Gemeinde und war zudem Auswandererstation. Was man jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern von Amts wegen geraubt hatte, wurde kommunal verwaltet und unter anderem in »Judenauktionen« unter die Leute gebracht. Dazu haben wir, RETROKONZEPTE, ZwoAcht und Gundula Rentrop vom »Haus der Reichs«, dem Sitz der Behörde, dort eine Ausstellung erstellt. Sie war anschließend in der Bremischen Vertretung in Berlin zu Gast.

Besonders gefreut hat mich, dass es keinerlei Widerstand gegen den Titel »Ausplündern und Verwalten« gab, der dann monatelang groß und breit über dem Eingang des Finanzamts prangte. Das Projekt wirkt übrigens noch nach: In den Debatten über ein Mahnmal, das je nach erinnerungspolitischer Perspektive direkten Bezug zum Neubau der Spedition Kühne+Nagel in Bremen haben soll oder nicht. (Sonja Kinzler, Juli 2019)

Das Buchgeschenk des Monats ist ein Katalog der Ausstellung. Wer zuerst mit dem Betreff »Ausplündern und Verwalten« an kinzler@retrokonzepte.de schreibt, bekommt ihn.

Die Fanpost des Monats geht an Christine Klein, die an der Gestaltung von Ausstellung und Katalog im Team von ZwoAcht mitgearbeitet hat, und mit der ich inzwischen mehrere weitere Projekte gemacht habe, die auch noch Erwähnung finden werden. Danke für die super Zusammenarbeit, Christine!

Die Spende des Monats geht an PRO ASYL.

Anfang August gibt es das nächste Kapitel!